Allgemeines

Die Mongolische Rennmaus (Meriones unguiculatus, übersetzt „Krieger mit Krallen) erfreut sich als Haustier immer größerer Beliebtheit. In freier Wildbahn bewohnt sie Halbwüsten und Steppen der Mongolei und der angrenzenden Länder. Ihre Wildfarbe, wie sie in der Natur vorkommt, ist braun mit weißem Bauch mit dunklen Krallen und Augen. Durch die intensive Zucht gibt es sie heute jedoch in zahlreichen Farbvariationen.

Die Mäuse haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 3 bis 5 Jahren. Sie sind bis zum Ende neugierige und aufgeweckte kleine Wesen, die mit dem Alter zwar meist etwas mehr schlafen, sich jedoch vom Verhalten her ansonsten nicht sehr von den jüngeren unterscheiden.

Sie sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, meist stellt sich ein Rhythmus von etwa 3 bis 4 Stunden ein. Dies macht sie auch für Berufstätige zu geeigneten Haustieren.

Die meisten Mäuse werden mit etwas Geduld hand-, bzw. futterzahm, man sollte sich jedoch bewusst sein, dass sich die wenigsten gerne streicheln lassen. Sie sind deshalb keine Schmusetiere und nur begrenzt für Kinder geeignet.

Vergesellschaftung

Bei sozialen Tieren wie der Rennmaus kommt unweigerlich irgendwann der Moment, an dem man nur noch ein Tier übrig hat und vor der Frage steht, wie man weiter verfahren soll.

Prinzipiell kann man Mäuse jeden Alters miteinander vergesellschaften. Wenn ein junges Tier vergesellschaftet werden soll (8-10 Wochen) verläuft es in den allermeisten Fällen sehr schnell und problemlos, da sie in diesem Alter noch keinen Eigengeruch haben und von dem älteren schneller aufgenommen werden. Bei zwei adulten Mäusen dauert eine Vergesellschaftung in der Regel etwas länger (etwa eine Woche) und gelingt nicht immer, aber das sollte einen nicht davon abhalten einem anderen alten und einsamen Tier eine neue Chance zu geben. Denn wenn die Chemie zwischen ihnen stimmt, ist die Zusammenführung genauso einfach wie mit einem Jungtier.

Methoden zur Vergesellschaftung gibt es viele. Die am häufigsten angewandte und für Anfänger am besten geeignetste Variante ist die Trenngittermethode.

Dabei wird ein Trenngitter im Aquarium eingezogen, durch das sich die zwei Parteien zwar riechen und sehen, jedoch nicht verletzen können. Auch innerhalb der Trenngittermethode gibt es verschiedene Durchführungsweisen. Das Trenngitter sollte IMMER doppelt angelegt sein, d.h. nicht nur ein Holzrahmen mit einem Gitter dazwischen sondern Gitter, Rahmen, Gitter. D.h. es muss ein Abstand zwischen den Mäusen sein damit keine Pfoten, Nasen oä auf die andere Seite gelangen und evtl durxh Bisse verletzt werden können.

In Foren liest man häufig davon das Aquarium (60 bis 80 cm) möglichst wenig einzurichten und auch nur wenig Einstreu anzubieten, damit die Mäuse sich nicht so viel verstecken können und gezwungen sind, sich miteinander am Gitter zu beschäftigen und sich kennenzulernen. Dazu wird täglich 1 bis 2 mal die Seite gewechselt, damit die Mäuse durch das Einstreu den Geruch des jeweils anderen annehmen, was die letztendliche Vergesellschaftung erleichtern soll. Nach etwa einer Woche am Gitter wird dieses entfernt und die Mäuse dürfen sich begegnen. Dazu später mehr.

Eine andere Variante, die immer öfter Anwendung findet ist folgende:

Beide Seiten werden normal eingerichtet, d. h. genug Einstreu zum Buddeln, Versteckmöglichkeiten, Sandbad, Laufrad. Dabei sollte das Aquarium auch 100 cm oder länger sein. Ein weiterer Unterschied ist, dass bei dieser Variante die Seiten nicht getauscht werden, um die Tiere nicht noch mehr zu stressen (denn eine Vergesellschaftung ist immer Stress, egal welche Methode man wählt). Der persönliche Geruch, den eine Maus über ihre Duftdrüse (Ventraldrüse) am Bauch absondert, ist individuell unterschiedlich. An ihm erkennen sich die Mäuse und er verschwindet nicht durch die Seitenwechsel! Zeigen die Mäuse nach einigen Tagen keine Aggressivität am Gitter, kann dieses ein Stück an der Seite aufgedreht werden, so dass die Mäuse sich durch den Spalt intensiver beschnüffeln können. Durch den Spalt sollte nur der Kopf, aber nicht der ganze Körper der Mäuse passen! Oft kann man bei diesem Schritt schon sehen, ob die Mäuse sich verstehen. Sieht die Begegnung gut aus und wird vielleicht die eine Maus von der anderen schon geputzt, kann man am nächsten Tag das Gitter weiter quer stellen, sodass die Tiere sich gegenseitig besuchen und die Rangordnung klären können. Bis diese endgültig geklärt ist, kann es einige Stunden oder auch Tage dauern. Manchmal kann es helfen das Aquarium in dem nun beide Mäuse sind an einer Seite durch Einsetzen des Trenngitters nochmals etwas zu verkleinern. Nach Klärung der Rangfolge kann man den Platz Stück für Stück wieder freigeben. Bei der Zusammenführung ist die sorgfältige Beobachtung wichtiger denn je! Intensives Beschnüffeln, kurzes Jagen, Aufreiten und Rangeln ist normal. Wenn sie jedoch ein Knäuel bilden, sollte man schnellst möglich eingreifen und die Tiere trennen, bevor sie sich vollständig verbeißen und sich gegenseitig verletzen.

Dies gilt bei jeder Vergesellschaftungsmethode!

Harmloses Aufreiten zur Klärung der Rangordnung

Harmloses Aufreiten zur Klärung der Rangordnung

Die Vergesellschaftung gilt als geglückt, wenn die Mäuse gemeinsam ein Nest bauen und darin schlafen. Nach einigen Tagen dürfen sie dann in ihr gemeinsames neues Zuhause ziehen, in das man aber immer etwas altes Einstreu geben sollte, um keine erneuten Rangeleien zu provozieren.

Eine andere Vergesellschaftungsmethode findest du hier: http://nagerschutz-blog.de/die-rennmaus-vergesellschaftung-bildlich-erklaert/

Ernährung

Den Hauptteil der Nahrung sollten Kleinsämereien und Getreide ausmachen. Außerdem sollten in die Mischung getrocknete Kräuter, Gemüse und tierische Bestandteile, wie beispielsweise Mehlwürmer oder Heuschrecken.

Im gängigen Zoohandel vor Ort gibt es kaum gute Fertigmischungen zu kaufen, sodass man entweder selbst mischen oder im Internet bestellen muss.

Geeignetes Fertigfutter gibt es unter anderem in folgenden Shops:

Möchte man selbst mischen, bieten die reinen Saatenmischungen der obigen Shops (Nagers Futterstube und Futterparadies) ein ausgewogenes Grundfutter, dem man selbst noch getrocknetes Gemüse und tierische Eiweiße zufügen sollte.

Gutes Futter erkennt man unter anderem daran, dass wenig Dickmacher (Nüsse, Sonnenblumenkerne usw.) und keine Extrudate (Pellets oder andere undefinierbare Klumpen oder Kringel) enthalten sind. Ein Futternapf ist nicht unbedingt nötig. Verstreut man das Futter im Einstreu, so ist das eine gute Beschäftigung.

Sind die Mäuse an Frischfutter gewöhnt, darf man jeden Tag eine kleine Portion Gemüse geben. Diese Portion sollte aber nur so groß sein, dass sie innerhalb von 24 Stunden komplett gefressen werden kann, da sie ansonsten verdirbt. Rennmäuse bunkern gerne mal Futter und für den Halter ist es nicht so leicht, alles evtl. Gebunkerte zu finden. Obst hingegen sollte nur selten gegeben werden, da die Gefahr der Diabetes besteht. Generell gilt: frisch ist gesünder als getrocknet! Also lieber ein kleines Stückchen Traube geben, als eine Rosine.

Grünfutter von draußen, wie Löwenzahn oder Gänseblümchen dürfen gerne täglich gegeben werden, allerdings sollte es kurz unter laufendem Wasser abgespült werden, um Krankheitserreger zu minimieren.

Als Leckerchen können unter anderem Sonnenblumenkerne, Mehlwürmer und Nüsse dienen., Auf Knabberstangen oder Drops aus der Zoohandlung sollte verzichtet werden! Zur Abwechslung und zusätzlichen Beschäftigung kann man Hirserispen, Darikolben oder Getreideähren anbieten (darf nicht gespritzt sein!)

Bei einer artgerechten Ernährung sind Salzlecksteine, Mineraliensteine und Vitaminpräparate nicht notwendig und können bei einer zu großen Aufnahme sogar schaden.

Immer eine willkommene Beschäftigung: ganze Hirsekolben

Immer eine willkommene Beschäftigung: ganze Hirsekolben

 

Gehege und Einrichtung

Als Behausung eignet sich am besten ein Aquarium oder auch Terrarium. Beides hat gewisse Vor- und Nachteile. Wichtig ist nur, dass die empfohlene Mindestgröße eingehalten wird. Diese beträgt für eine Zweier-Gruppe 120 x 50 cm Grundfläche,oder als absolutes minimum, allerdings nur wenn ein Aufbau vorhanden ist und somit das komplette Aqua eingestreut werden kann, 100 x 50 cm. Größer ist immer besser und ein Aufsatz ist für das einrichten für den Halter zum Unterbringen von Laufrad und Näpfen immer vorteilhaft.

Hält man eine größere Gruppe (was wie unter „Gruppenhaltung“ bereits beschrieben nicht zu empfehlen ist), sollte die Gehege-Größe nicht wesentlich größer sein, als bei einer Zweier-Gruppe, da dadurch die Gefahr eines Streits steigen würde.

Hier ein paar Beispiel für artgerechte Rennmausgehege:

Grundfläche 160/40

Grundfläche 130/40 (Laufrad fehlt)

Grundfläche 100/50 (Laufrad fehlt)

Einstreu und Nistmaterial:

Als Einstreu eignet sich normales (unparfümiertes) Kleintierstreu, Hanfeinstreu, Leineneinstreu, Buchengranulat und Baumwolleinstreu (letzteres eher als zusätzliches Nistmaterial). Die Einstreuhöhe sollte immer mindestens 25cm betragen, da Rennmäuse sehr gerne buddeln und auch in der Natur, ähnlich wie Hamster, lange unterirdische Gänge bauen. Um stabile Gänge bauen zu können, sollte den Tieren Stroh und Heu zur Verfügung stehen, welches auch gerne zum Nestbau verwendet wird. Als Nistmaterial eignen sich außerdem Klopapier oder Küchenrolle – beides natürlich unparfümiert und nicht reißfest!. Auch Kapokschoten werden von vielen Mäusen gerne verwendet. Hamsterwatte und Stoffreste sollten nicht angeboten werden, da sie Fäden ziehen können und damit die Gefahr besteht, dass sich die Tiere Gliedmaßen abschnüren.

Einrichtung:

Bei der Einrichtung kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen. Erlaubt ist alles, was nicht aus Plastik besteht (eine Ausnahme bildet das Wodent Wheel): Weidenbrücken, Tunnel, Wurzeln, Kork, Äste, große Steine.

Viele Mäuse bauen ihr Nest gerne unterirdisch. Ein ausreichend großes Häuschen sollte trotzdem immer angeboten werden. Allgemein sollte man nicht allzu enttäuscht sein, wenn das Gehege nach kurzer Zeit völlig umgestaltet wurde und nichts mehr so aussieht wie vorher. Die Kleinen sind Meister im Umdekorieren. Aufgrund dieser Buddelleidenschaft sollte beim Einrichten unbedingt darauf geachtet werden, dass beim Graben nichts auf die Mäuse stürzen kann.

Besitzt man keinen Aufsatz für das Aquarium, empfiehlt es sich eine zweite Ebene einzubauen. Dort finden dann die Näpfe ihren Platz, damit sie nicht jeden Tag mit Einstreu zugebuddelt werden.

Diese Ebene sollte nicht aus Gitter bestehen!

Das Laufrad sollte einen Durchmesser von mindestens 28 cm aufweisen, um Rückenschäden zu vermeiden. Es sollte eine geschlossene Lauffläche besitzen und keinen gefährlichen Schereneffekt aufweisen.

Ebenfalls immer vorhanden sein sollte ein Sandbad. Es dient der Krallen- und Fellpflege und hilft außerdem beim Stressabbau. Geeignet sind Bimsstein, abgerundeter Quarzsand und Chinchillasand, welcher aus Sepiolith oder Attapulgus bestehen sollte. Völlig ungeeignet hingegen sind Vogelsand, Sandkastensand oder normaler Quarzsand.

Sozialleben

In freier Wildbahn leben Mongolische Rennmäuse in Familienverbänden, weshalb sie auch in der Heimtierhaltung niemals alleine leben sollten. Zweiergruppen haben sich hierbei als am Stabilsten erwiesen. Größere Gruppen muss man leider oft nach einiger Zeit aufgrund von Streitereien trennen. Rennmäuse kann man gut in gleichgeschlechtlichen Gruppen halten. Möchte man ein Weibchen und ein Männchen zusammen halten, sollte das Männchen kastriert werden. Dies ist zwar möglich, birgt jedoch unnötige Risiken einer Operation mit Narkose sowie die nachfolgende Wundheilung, die man nicht eingehen muss, wenn man sich gleich für eine reine Männer- oder eine reine Weibchengruppe entscheidet.

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